01. Juni 2011, Südpfalz-Kurier – Infoveranstaltung Ortsumgehung Klingenmünster

Artikelbild

“Krach, Gestank, Gefahr – es ist Zeit! Ortsumgehung Klingenmünster, JETZT!”

Die neugegründete Bürgerinitiative lud am vergangenen Sonntag unter diesem Motto zu einer Infoveranstaltung auf dem Kirchenvorplatz der Protestantischen Kirche ein – mit direktem Blick auf die vielbefahrene Weinstraße, für die seit Jahren vom Gemeinderat eine Ortsumgehung gefordert wird und für die bereits eine Trassenführung nach langen, zähen Verhandlungen gefunden wurde. Dirk Burkhart und Hans-Peter Bauer, die beiden Vorsitzenden der Bürgerinitiative Klingenmünster, freuten sich über das Interesse der Bürger und Bürgerinnen und konnten neben Landrätin Theresia Riedmaier und Verbandsbürgermeister Hermann Bohrer auch den Bundestagsabgeordneten der Südpfalz Thomas Gebhard begrüßen, die sich genau wie Ortsbürgermeister Erwin Grimm “ohne Wenn und Aber” zur geplanten Trassenführung bekannten. “Normaler Weise sind Bürgerinitiativen gegen etwas – in Klingenmünster ist die Bürgerinitiative für eine Sache, für die sich der Gemeinderat seit vielen Jahren einsetzt und das ist gut so, denn Klingenmünster braucht die Ortsumgeheung und zwar so, wie sie geplant ist. Eine ortsnahe Umgehung wie sie mittlerweile von verschiedenen Seiten gefordert wird, wäre zum einen nur eine Verkehrsverlagerung von der Ortsmitte an die Ostseite unseres Ortes, zum anderen müsste mit der gesamten Planung erneut begonnen werden. Ob dann eine Umgehung kommen würde ist fraglich!”, so der Ortschef Erwin Grimm, der bereits als Beigeordneter gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger Wilfried Türck jahrelang mit dem Ratsgremium für die ausgearbeitete Trassenführung gekämpft hatte. “Es ist Wahnsinn, was sich hier an der Weinstraße abspielt”, betonte Landrätin Theresia Riedmaier mit direktem Blick auf die vorbeirollende Wagenkolonne in der Weinstraße und versicherte der Ortsgemeinde und der Bürgerinitiative: “Ich bin an eurer Seite, es bedarf keiner Diskussion, die Umgehung muss auf den Weg gebracht werden. Ich akzeptiere und respektiere, was Klingenmünster zur Entlastung des Dorfes braucht.” Die Vorbereitungen für die Planfeststellung würden im November abgeschlossen sein, der Planfeststellungsbeschluss könne – wenn alles planmäßig verläuft – im Sommer erfolgen, informierte die Landrätin und wandte sich an alle, die sich gegen die geplante Trassenführung aussprechen, ihre Scheuklappen abzulegen, Einsprüche würden das Verfahren um Jahre verzögern: “Das wäre dann ein Damoklesschwert, das über dem Projekt liegt!” Bürgermeister Hermann Bohrer betonte genau wie Landrätin Riedmaier, das Land stehe hinter dieser Trassenführung, die in langen Abwägungsprozessen gefunden wurde. Bohrer versicherte, er sei auch froh, dass man mit der Nachbargemeine Gleiszellen-Gleishorbach im Konsens stehe und bat den anwesenden Bundestagsabgeordneten der Südpfalz Thomas Gebhardt in Berlin mitzuhelfen, dass die Finanzierung der Trasse durch den Bund erfolgen kann. “Die B 48 ist in der Prioritätsstufe I, unser Ziel muss sein, dass sie im vordringlichen Bedarf bleibt. Ich danke der BI für das Engagement, das meine volle Unterstützung hat”, so der Verbandsbürgermeister. Auch Bundestagsabgeordneter Gebhardt versicherte, er sehe die Notwendigkeit und verstehe das Ansinnen der Betroffenen, gerade auch wegen der starken Belastung durch den Schwerlastverkehr. “Es ist laut, eng und gefährlich in der Ortsdurchfahrt. Es ist wichtig, dass Gemeinde und Bürgerinitiative gemeinsam handeln. Hier ist Hartnäckigkeit gefordert und es sind gewiss noch dicke Bretter zu beseitigen”. Rita Reich überreichte Gebhardt 1133 Unterschriften , die von der BI bei einer Unterschriftenaktion für die Ortsumgehung gesammelt wurden: “Das ist der eindeutige Beweis, dass unsere Bürger hinter dem Gemeinderatsbeschluss stehen”. Ohne den Mikrofoneinsatz wären die Redebeiträge auf dem Kirchenvorplatz bei den Zuhörern wohl nicht angekommen, schlängelten sich wie gewohnt die Autoschlange dicht hintereinander durch die Weinstraße, und auch ohne dem werktäglichen LKW war der Lärmpegel unüberhörbar hoch. Die Verkehrssituation am Sonntagnachmittag verdeutlichte live und eindrucksvoll, was die Mitglieder der BI durch einen Filmbeitrag per Video und mit eindrucksvollem Zahlenwerk über das tatsächliche, tägliche Verkehrsaufkommen von im Schnitt stündlich 700 Autos dem Publikum vorstellte. “Das ist der alltäglichen Verkehrswahnsinn in der Weinstraße”, pflichtet ein Anwohner der Statisitk bei.” “In der nahern Zukunft wird sich das Verkehrsaufkommen noch um ein vielfaches steigen. Mit der Umgehung hat Klingenmünster die Chance, sich weiter zu entwickeln, neue Perspektiven würden sich für Anwohner, Urlauber, aber auch für die Geschäfte und Winzerbetriebe ergeben. Wir haben einen steinigen Weg vor uns und freuen uns über jede Unterstützung”, so die Mitglieder der BI, die in perfekter Manier und in einheitlichem, dem Ortswappen von Klingenmünster angepasstem Outfit den Nachmittag gestalteten. “Wer nicht an der Weinstraße wohnt, kann die Verkehrsbelästigung nicht ermessen. Wir kämpfen seit Jahren für die Umgehung, wer jetzt – warum auch immer – andere Ansichten vertritt, arbeitet gegen das Ansinnen der Ortsgemeinde”, betonte verärgert Altbürgermeister Wilfried Türck, der genau wie Karl Ruckstuhl aus Heuchelheim unter den Zuhörern weilte.” Als Privatmann habe ich nichts gegen die notwendige Ortsumgehung von Klingenmünster. Die Entscheidung des Gemeinderat von Heuchelheim-Klingen hat jedoch nichts mit meiner persönlichen Meinung zu tun, da gilt die Mehrheitsentscheidung des Rates”, beteuerte am Rande der Veranstaltung Ortsbürgermeister Ruckstuhl, in dessen Gemeinde Heuchelheim-Klingen eine Bürgerinitiative gemeinsam mit dem BUND gegen die vorgesehene Trassenführung von Klingenmünster kämpft. (Flory)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.